Lamentations 3
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| v | Luther2021 |
|---|---|
| 1 | Ich bin ein elender Mann, der die Rute seines Grimmes sehen muft. |
| 2 | Er hat mich geführet und lassen gehen in die Finsternis und nicht ins Licht. |
| 3 | Er hat seine Hand gewendet wider mich und handelt gar anders mit mir fur und fur. |
| 4 | Er hat mein Fleisch und Haut alt gemacht und mein Gebein zerschlagen. |
| 5 | Er hat mich verbauet und mich mit Galle und Mühe umgeben. |
| 6 | Er hat mich in Finsternis gelegt, wie die Toten in der Welt. |
| 7 | Er hat mich vermauert, daß ich nicht heraus kann, und mich in harte Fesseln gelegt. |
| 8 | Und wenn ich gleich schreie und rufe, so stopft er die Ohren zu vor meinem Gebet. |
| 9 | Er hat meinen Weg vermauert mit Werkstücken und meinen Steig umgekehret. |
| 10 | Er hat auf mich gelauert wie ein Bar, wie ein Lowe im Verborgenen. |
| 11 | Er laftt mich des Weges fehlen. Er hat mich zerstücket und zunichte gemacht. |
| 12 | Er hat seinen Bogen gespannet und mich dem Pfeil zum Ziel gesteckt. |
| 13 | Er hat aus dem Kocher in meine Nieren schieften lassen. |
| 14 | Ich bin ein Spott allem meinem Volk und taglich ihr Liedlein. |
| 15 | Er hat mich mit Bitterkeit gesattiget und mit Wermut getranket. |
| 16 | Er hat meine Zahne zu kleinen Stucken zerschlagen. Er walzet mich in der Asche. |
| 17 | Meine Seele ist aus dem Frieden vertrieben; ich muft des Guten vergessen. |
| 18 | Ich sprach: Mein Vermdgen istdahin und meine Hoffnung am HERRN. |
| 19 | Gedenke doch, wie ich so elend und verlassen, mit Wermut und Galle getranket bin. |
| 20 | Du wirst ja daran gedenken, denn meine Seele sagt mir's. |
| 21 | Das nehme ich zu Herzen, darum hoffe ich noch. |
| 22 | Die Gute des HERRN ist, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, |
| 23 | sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist graft. |
| 24 | Der HERR ist mein Teil, spricht meine Seele, darum will ich auf ihn hoffen. |
| 25 | Denn der HERR ist freundlich dem, der auf ihn harret, und der Seele, die nach ihm fraget. |
| 26 | Es istein kostlich Ding, geduldig sein und auf die Hilfe des HERRN hoffen. |
| 27 | Es istein kostlich Ding einem Manne, daß erdas Joch in seiner Jugend trage, |
| 28 | daß ein Verlassener geduldig sei, wenn ihn etwas uberfallt, |
| 29 | und seinen Mund in den Staub stecke und der Hoffnung erwarte |
| 30 | und lasse sich auf die Backen schlagen und ihm viel Schmach anlegen. |
| 31 | Denn der HERR verstoftt nicht ewiglich, |
| 32 | sondern er betrubet wohl und erbarmet sich wieder nach seiner groften Gute; |
| 33 | denn er nicht von Herzen die Menschen plaget und betrubet, |
| 34 | als wollte er alle die Gefangenen auf Erden gar unter seine Füfte zertreten |
| 35 | und eines Mannes Recht vor dem Allerhochsten beugen lassen |
| 36 | und eines Menschen Sache verkehren lassen, gleich als sahe es der HERR nicht. |
| 37 | Wer darf denn sagen, daß solches geschehe ohne des HERRN Befehl, |
| 38 | und daß weder Boses noch Gutes komme aus dem Munde des Allerhochsten? |
| 39 | Wie murren denn die Leute im Leben also? Ein jeglicher murre wider seine Sunde! |
| 40 | Und laftt uns forschen und suchen unser Wesen und uns zum HERRN bekehren. |
| 41 | Laftt uns unser Herz samt den Handen aufheben zu Gott im Himmel. |
| 42 | Wir, wir haben gesundiget und sind ungehorsam gewesen. Darum hast du billig nicht verschonet, |
| 43 | sondern du hast uns mit Zorn uberschuttet und verfolget und ohne Barmherzigkeit erwurget. |
| 44 | Du hast dich mit einer Wolke verdeckt, daß kein Gebet hindurch konnte. |
| 45 | Du hast uns zu Kot und Unflat gemacht unter den Volkern. |
| 46 | Alle unsere Feinde sperren ihr Maul auf wider uns. |
| 47 | Wir werden gedrückt und geplagt mit Schrecken und Angst. |
| 48 | Meine Augen rinnen mit Wasserbachen uber dem Jammer der Tochter meines Volks. |
| 49 | Meine Augen flieften und konnen nicht ablassen; denn es ist kein Aufhoren da, |
| 50 | bis der HERR vom Himmel herabschaue und sehe darein. |
| 51 | Mein Auge friftt mir das Leben weg urn die Tochter meiner Stadt. |
| 52 | Meine Feinde haben mich gehetzet, wie einen Vogel, ohne Ursache. |
| 53 | Sie haben mein Leben in einer Grube umgebracht und Steine auf mich geworfen. |
| 54 | Sie haben auch mein Haupt mit Wasser uberschuttet. Da sprach ich: Nun bin ich gar dahin. |
| 55 | Ich rief aber deinen Namen an, HERR, unten aus der Grube; |
| 56 | und du erhoretest meine Stimme. Verbirg deine Ohren nicht vor meinem Seufzen und Schreien! |
| 57 | Nahe dich zu mir, wenn ich dich anrufe, und sprich: Furchte dich nicht! |
| 58 | Fuhre du, HERR, die Sache meiner Seele und erlose mein Leben! |
| 59 | HERR, schaue, wie mir so unrecht geschieht, und hilf mir zu meinem Recht! |
| 60 | Du siehest alle ihre Rache und alle ihre Gedanken wider mich. |
| 61 | HERR, du horest ihre Schmach und alle ihre Gedanken uber mich, |
| 62 | die Lippen meiner Widerwartigen und ihr Dichten wider mich taglich. |
| 63 | Schaue doch; sie gehen nieder Oder stehen auf, so singen sie von mir Liedlein. |
| 64 | Vergilt ihnen, HERR, wie sie verdienet haben! |
| 65 | Laft ihnen das Herz erschrecken und deinen Fluch fühlen! |
| 66 | Verfolge sie mit Grimm und vertilge sie unter dem Himmel des HERRN! |